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Kaiser Akihito: Der Tenno sagt Tschüss

Nun übernimmt Kaiser Naruhito den Chrysanthementhron

30 Jahre auf dem Chrysanthementhron – das reicht. Als der japanische Kaiser Akihito im August 2016 seinen Wunsch nach einem Rücktritt äußerste, war die Überraschung groß: Seit 200 Jahren hatte kein japanischer Kaiser mehr von sich aus abgedankt. Ab morgen ist Tenno Akihito ganz offiziell im Ruhestand. Damit verabschiedet sich nicht nur ein beliebter Monarch, sondern eine ganze Zeitrechnung. Neuer Kaiser von Japan ist dann Naruhito, Akihitos ältester Sohn.

Kaiser Akihito: „Frieden überall“

Als Akihito am 8. Januar 1989 über Nacht zum 125. Kaiser Japans wurde, setzte er sich vor allem ein Ziel: Frieden. Passend dazu galt die Regierungsdevise 平成 (Heisei), was so viel heißt wie „Frieden überall“.  Er war der erste japanische Kaiser, der China besuchte und war stets bemüht, die noch immer angeschlagenen Beziehungen zu den einstiegen Kriegsgegnern zu verbessern. Er galt als ausgesprochen fortschrittlich und nahbar. Ob Erdbeben oder Tsunami – Kaiser Akihito zeigte Empathie und besuchte Katastrophengebiete persönlich, um Trost zu spenden. Mit Michiko heirate er als erster Tenno eine Bürgerliche. Akihito (85) ist ausgesprochen beliebt und nicht wenige Japaner haben heute sicherlich das ein oder andere Tränchen vergossen.

Der Tenno im Ruhestand

Repräsentative Aufgaben wie z.B. Königin Beatrix der Niederlande wird Akihito nicht mehr wahrnehmen. Nicht nur das Alter macht dem Monarchen zu schaffen. Auch gesundheitlich hatte Akihito in den letzten Jahren immer öfter Probleme. Dies bewegte ihn schlussendlich auch zum Rücktritt vom Kaiserthron. Nun kann er sich zumindest ganz seiner Liebe zu Gedichten widmen.  Vielleicht veröffentlich er auch wieder einmal einen Fachbeitrag zu seinem Lieblingsthema: der Klassifizierung von Grundeln, einer Fischart, die es Akihito besonders angetan hat.
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Kaiser Naruhito: „Schöne Harmonie“

Sämtliche Pflichten und auch die Aufgaben des höchsten Shinto-Priesters des Landes übernimmt ab morgen nun Kronprinz Naruhito. Seine Regierungsdevise lautet 令和 (Reiwa), also in etwa „Schöne Harmonie“. Bereits am ersten Tag auf dem Chrysanthementhron bricht Naruhito (59) mit der Tradition. Seine Regierungsdevise ist erstmals der klassischen japanischen Literatur entliehen. Bislang griff man hier auf chinesische Klassiker zurück. Naruhito gilt ebenso wie Akihito als liberal. Mit dem strengen Kaiserhof eckte er bereits an, als er seine Frau Masako (55) heiratete und diese öffentlich verteidigte, weil sie sich nicht dem Hof so „anpasste“, wie es von ihr erwartet wurde. Naruhito ist der erste Kaiser, der im Ausland studierte. Seine Tochter Aiko (17) ist aktuell nicht berechtigt, ihn zu beerben, da in Japan die männliche Erblinie gilt.
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Das Erbe des Tenno

Nicht nur Kaiser Akihito sind die Themen Friede und Wiedergutmachung wichtig. Auch sein Sohn Naruhito äußerte bereits, der zweite Weltkrieg solle „richtig in Erinnerung bleiben“. Es ist daher wahrscheinlich, dass Kaiser Naruhito ebenfalls Gespräche mit China und Korea suchen wird. Immer wieder kommt es hier zu Empörungen über unterschiedliche geschichtliche Wahrnehmungen. So werden Kriegsverbrechen seitens Japan oft immer noch totgeschwiegen oder ganz unverhohlen geleugnet. Doch auch wenn Kaiser Naruhito ein sehr moderner Tenno sein wird, so gilt es, nur vorsichtig und langsam an Althergebrachtem zu rütteln. Dafür gibt es noch zu viele am Hof und in der Politik, die sehr auf Traditionen pochen. Und nicht zuletzt erstarken auch in Japan die Nationalisten, die z.B. mit dem Thema Zuwanderung ein Problem haben. Hier Harmonie zu bewahren, wird eine der ersten Herausforderungen von Tenno Naruhito sein.

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