Reiwa: „Schöne Harmonie“ kostet Millionen

Die Regierungsdevise, die Kaiser Naruhito morgen einläuten wird, klingt äußerst lyrisch: 令和 (Reiwa) lautet sie, was in etwa „schöne Harmonie“ bedeutet. Erstmals wurde die Regierungsdevise eines japanischen Kaisers der klassischen japanischen Literatur entliehen. Bislang orientierte man sich hier an chinesischen Klassikern. Doch die neue Ära ist nicht ganz billig und erfordert so einige Anpassungen. Denn: Japan startet am 1. Mai 2019 mit einer neuen Zeitrechnung, dem Jahr „Reiwa 1“. 

Die Reiwa-Ära: Neue Zeitrechnung, neuer Kalender

In Japan gilt nicht nur der westliche Kalender, sondern auch der traditionelle Kalender, der sich nach den Regierungszeiten der japanischen Kaiser richtet. Demnach befinden wir uns heute nicht etwa im Jahr 2019, sondern im 31. Jahr Heisei, dem 31. Jahr von Kaiser Akihito. Seine Regierungsdevise lautete 平成 (Heisei, auch: „Frieden überall“).  Doch heute hat Kaiser Akihito  abgedankt und übergibt den Chrysanthementhron morgen an seinen ältesten Sohn Naruhito. Wir beginnen nun also von vorne mit dem Zählen: mit Jahr 1 von Kaiser Naruhito. 

Reiwa kostet Millionen

Die Kosten für die Umstellung von Heisei nach Reiwa wird Millionen verschlingen. Unzählige Formulare und Print-Produkte müssen an die neue Zeitrechnung angepasst werden. Auch auf den Münzen wird Reiwa ab Oktober 2019 zu finden sein – insbesondere auf denen, die viel in Gebrauch sind, also die 100- und 500-Yen-Münzen. Kopfzerbrechen bereitet vielen jedoch Software-Updates, die ähnlich wie bei Y2K einige Probleme hervorrufen könnte – schließlich wird hier wieder die Uhr auf Start zurückgestellt. Einigen Firmen ist das zu teuer und zu aufwändig, sodass sie ganz auf die westliche Zeitrechnung umstellen. Große Firmen wie Microsoft liefern Updates via Cloud. Probleme werden eher bei veralteter Software und Individuallösungen erwartet. In der Stadt Koga leistete man sich bereits einen kleinen Fauxpas und löschte versehentlich im Zuge von Updates 1.650 Wasserrechnungen.
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Reiwa-Ära: Kaiser Naruhito und Kaiserin Masako

Kaiser Naruhito (59) ist der 126. Tenno Japans und gilt aus äußerst modern und liberal. Seine Frau Masako (55) heiratete er trotz Einwänden des Hofes. Traditionalisten empfanden die bürgerliche Diplomatentochter als zu selbstbewusst. Masako strebte eine eigene Karriere im Außenministerium an, scheiterte jedoch an den rigiden Vorschriften des Hofes.  Nach einer Fehlgeburt brachte sie „lediglich“ eine Tochter zur Welt. Dieses „Versagen“ hält man ihr heute noch vor – schließlich ist Aiko (17) nicht berechtigt ihrem Vater auf den Thron zu folgen. Stressbedingte „Anpassungsstörungen“ an den Hof soll Masako haben. Andere sprechen schlicht von Depressionen. Ehemann Naruhito nahm sie öffentlich in Schutz und kassierte dafür eine Rüge von seinem Bruder Akishino (nun Kronprinz). Pflichtgemäß lieferte der einen männlichen Stammhalter, der auf Platz 3 der Thronfolge steht. Damit minderte sich allerdings auch der Druck auf Masako.
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Reiwa und die Zukunft Japans

Harmonisch soll sie sein, die neue Kaiser-Ära. Ganz getreu dieses Mottos erwartet man von Kaiser Naruhito viel Gesprächsbereitschaft und Nahbarkeit. Bereits sein Vater Kaiser Akihito war sehr beliebt beim japanischen Volk, weil er sich nicht nur im Palast vergrub, sondern fast schon ein „Volkskaiser“ war. Das wird Naruhito sicherlich fortführen und ausbauen. Viel mehr noch wird er international in Erscheinung treten. Dort bewegt er sich sicher, hat Kontakte zu europäischen Königshäusern. Auch Masako, die sich Jahre lang vor der Öffentlichkeit versteckte, könnte hier aufblühen. Mit Königin Máxima der Niederlande ist sie sogar befreundet. Obwohl sie sich unsicher fühle, so Masako, werde sie künftig ihr Bestes geben. Die Rolle von Masako als Kaiserin wird auch davon abhängen, wie sich der neue Kronprinz (Naruhitos jüngerer Bruder) mit seinem Sohn Hisahito (12) positioniert. Dass Japan die männliche Thronfolge in den nächsten Jahren abschafft und somit Prinzessin Aiko aufrückt, ist eher unwahrscheinlich.  Fraglich ist auch, ob man ihr das wünschen würde. Der Druck auf Masako ist immer noch hoch und Aiko machte bereits in der Grundschule Erfahrungen mit Mobbing.

 

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